Zirkuläre Eisen- und Stahlproduktion

Tätig­keits­be­rei­che

Eisen- und Stahl­er­zeu­gung, Elek­tro­stahl­pro­zess, Ener­gie- und Mas­sen­bi­lan­zen, Pro­zess­mo­del­lie­rung, Agglomerationstechnik

Forschungsaktivitäten

Kreislauforientierte Eisen- und Stahlproduktion

Eisen und Stahl bil­den das Rück­grat der moder­nen Infra­struk­tur und sind zugleich eine der Schlüs­sel­in­dus­trien, die sich in Rich­tung Kli­ma­neu­tra­li­tät trans­for­mie­ren. Die For­schungs­grup­pe Zir­ku­lä­re Eisen- und Stahl­pro­duk­ti­on unter­sucht, wie Eisen und Stahl effi­zi­en­ter, emis­si­ons­är­mer und inner­halb nach­hal­ti­ger Stoff­kreis­läu­fe pro­du­ziert wer­den können.

Ein beson­de­rer Fokus der Grup­pe liegt auf dem Licht­bo­gen­ofen (LBO), der zen­tra­len Tech­no­lo­gie für die auf Recy­cling basie­ren­de Stahl­pro­duk­ti­on und zugleich einer zuneh­mend wich­ti­gen Platt­form für die Inte­gra­ti­on was­ser­stoff­ba­sier­ter Wege der Eisen­her­stel­lung. Unse­re For­schung behan­delt sowohl die Stahl­er­zeu­gung auf Schrott­ba­sis als auch neu ent­ste­hen­de Direkt­re­duk­ti­ons- (DRI-) LBO-Pfa­de und kom­bi­niert expe­ri­men­tel­le Arbei­ten, indus­tri­el­le Mes­sun­gen, Pro­zess­mo­del­lie­rung und moder­ne daten­ge­trie­be­ne Methoden.

Das Team wird von Dr.-Ing. Tho­mas Ech­ter­hof und Cars­ten Gon­dorf, M.Sc. gelei­tet. Aktu­ell besteht es dar­über hin­aus aus sie­ben wei­te­ren Pro­mo­vie­ren­den, die als wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal in Voll­zeit tätig sind. Neben der For­schung trägt die Grup­pe auch zur Leh­re am Lehr­stuhl bei, unter ande­rem mit Vor­le­sun­gen zur Stahl­er­zeu­gung im Licht­bo­gen­ofen, und betreut stu­den­ti­sche Abschlussarbeiten.

Metallurgische Prozesse verstehen

Die Ver­bes­se­rung metall­ur­gi­scher Pro­zes­se beginnt mit dem Ver­ständ­nis, wie Ener­gie und Mate­ria­li­en durch sie hin­durch­flie­ßen. Ein zen­tra­ler Bestand­teil unse­rer Arbeit ist daher die Ent­wick­lung detail­lier­ter Ener­gie- und Mas­sen­bi­lan­zen für indus­tri­el­le Pro­zes­se wie Licht­bo­gen­öfen. Die­se Ana­ly­sen hel­fen dabei, Inef­fi­zi­en­zen zu iden­ti­fi­zie­ren, Opti­mie­rungs­po­ten­zia­le auf­zu­de­cken und die Grund­la­ge für eine ver­bes­ser­te Pro­zess­füh­rung zu schaf­fen.
In indus­tri­el­len Licht­bo­gen­öfen kön­nen jedoch vie­le rele­van­te Grö­ßen auf­grund extre­mer Tem­pe­ra­tu­ren, Staub­be­las­tun­gen und mecha­ni­scher Bean­spru­chun­gen nicht direkt gemes­sen wer­den. Dadurch sind wich­ti­ge Rand­be­din­gun­gen für Ener­gie- und Mas­sen­bi­lan­zen häu­fig unsi­cher. Um die­ser Her­aus­for­de­rung zu begeg­nen, führt die Grup­pe Betriebs­mes­sun­gen an metall­ur­gi­schen Anla­gen durch, ins­be­son­de­re durch die Instal­la­ti­on und den Betrieb von Abgas­ana­ly­se­sys­te­men sowie ergän­zen­de Tem­pe­ra­tur- und Pro­zess­mes­sun­gen. Die­se Mes­sun­gen lie­fern wert­vol­le Ein­bli­cke in Reak­ti­ons­ki­ne­tik, Ener­gie­flüs­se und die Ent­ste­hung von Emis­sio­nen im Ofen.

Von Messungen zu digitalen Prozessmodellen

Expe­ri­men­tel­le Beob­ach­tun­gen wer­den mit dyna­mi­scher Pro­zess­mo­del­lie­rung kom­bi­niert, um ein tie­fe­res Ver­ständ­nis des LBO-Betriebs zu errei­chen. Die For­schungs­grup­pe ent­wi­ckelt und erwei­tert kon­ti­nu­ier­lich ihre haus­ei­ge­ne Simu­la­ti­ons­um­ge­bung EAF­Pro­Sim, die die kom­ple­xen Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Schrott­schmel­zen, Schla­cken­bil­dung, Gas­pha­sen­re­ak­tio­nen und Wär­me­über­tra­gung im Licht­bo­gen­ofen beschreibt.

Das Modell ermög­licht die Ana­ly­se bestehen­der Pro­zes­se eben­so wie die Bewer­tung neu­er Betriebs­stra­te­gien und Pro­zess­pfa­de, ein­schließ­lich der Inte­gra­ti­on was­ser­stoff­ba­sier­ter Ener­gie­trä­ger oder was­ser­stoff­re­du­zier­ten DRI. EAF­Pro­Sim wird inner­halb von For­schungs­pro­jek­ten ent­wi­ckelt und auch von Indus­trie­part­nern ein­ge­setzt, um den Anla­gen­be­trieb zu ana­ly­sie­ren und Pro­zess­op­ti­mie­run­gen zu unterstützen.

Da vie­le Pro­zess­grö­ßen nicht direkt gemes­sen wer­den kön­nen, ent­wi­ckelt die Grup­pe außer­dem Soft Sen­so­ren, die phy­si­ka­li­sche Model­le mit Anla­gen­da­ten kom­bi­nie­ren, um andern­falls nicht zugäng­li­che Grö­ßen wie Reak­ti­ons­ra­ten, Gas­bil­dung oder ther­mo­dy­na­mi­sche Zustän­de im Ofen abzuschätzen.

KI-gestützte Überwachung und Prozessverständnis

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sind Machi­ne Lear­ning und Com­pu­ter Visi­on zu zusätz­li­chen Werk­zeu­gen für die Ver­bes­se­rung der Pro­zess­über­wa­chung gewor­den. Har­te metall­ur­gi­sche Umge­bun­gen schrän­ken den Ein­satz kon­ven­tio­nel­ler Sen­so­ren oft ein. Bild­ba­sier­te Metho­den ermög­li­chen es, Pro­zess­in­for­ma­tio­nen aus siche­rer Ent­fer­nung zu gewin­nen, ohne Sen­so­ren extre­men Bedin­gun­gen auszusetzen.

Aktu­el­le For­schung ver­wen­det Com­pu­ter-Visi­on-Metho­den für Auf­ga­ben wie die Bla­sen­de­tek­ti­on in Was­ser­mo­del­len metall­ur­gi­scher Reak­to­ren und die Bestim­mung des Flüs­sig­sump­fes in indus­tri­el­len Licht­bo­gen­öfen. In Kom­bi­na­ti­on mit Pro­zess­mo­del­len und Anla­gen­da­ten eröff­nen die­se Ansät­ze neue Mög­lich­kei­ten für eine fort­ge­schrit­te­ne Pro­zess­über­wa­chung und Prozessregelung.

Stoffkreisläufe in der Eisen- und Stahlproduktion schließen

Ein zwei­ter wich­ti­ger Schwer­punkt der For­schungs­grup­pe ist die Ent­wick­lung kreis­lauf­ori­en­tier­ter Stoff­strö­me in der Eisen- und Stahl­pro­duk­ti­on. Metall­ur­gi­sche Pro­zes­se erzeu­gen gro­ße Men­gen an Neben­pro­duk­ten und Rück­stän­den, von denen vie­le wert­vol­le Metal­le ent­hal­ten, jedoch in ihrer ursprüng­li­chen Form nur schwer recy­cel­bar sind.

Die For­schungs­grup­pe ent­wi­ckelt Agglo­me­ra­ti­ons­tech­no­lo­gien, die sol­che Fein­ma­te­ria­li­en, etwa Stäu­be, Schläm­me oder Schla­cke­an­tei­le, in sta­bi­le Recy­cling­pro­duk­te über­füh­ren, die sich zur Wie­der­ver­wen­dung in metall­ur­gi­schen Öfen eig­nen. Das Agglo­me­ra­ti­ons­la­bor ist mit einem Inten­siv­mi­scher, einer Pel­le­tier­trom­mel und Stem­pel­pres­sen­sys­te­men aus­ge­stat­tet und ermög­licht die Her­stel­lung und Unter­su­chung einer Viel­zahl von Recyclingagglomeraten.

Beson­de­re Auf­merk­sam­keit gilt selbst­re­du­zie­ren­den Agglo­me­ra­ten, bei denen fei­ne eisen­hal­ti­ge Mate­ria­li­en mit Koh­len­stoff­trä­gern kom­bi­niert wer­den, um eine effi­zi­en­te Metall­rück­ge­win­nung zu ermög­li­chen. Gleich­zei­tig unter­sucht die Grup­pe Stra­te­gien zur Sub­sti­tu­ti­on fos­si­ler Koh­len­stoff­trä­ger durch nach­hal­ti­ge­re Alter­na­ti­ven, ein­schließ­lich bio­ge­ner Koh­len­stoff­quel­len wie Bio­koh­le sowie den Ein­satz von Was­ser­stoff als Ener­gie­trä­ger oder Reduktionsmittel.

Experimentelle Anlagen und industrielle Zusammenarbeit

Die expe­ri­men­tel­le For­schung wird durch spe­zia­li­sier­te Pilot­an­la­gen unter­stützt. Am For­schungs­stand­ort Her­zo­gen­rath betreibt die Grup­pe einen 600-kW-AC-Pilot­licht­bo­gen­ofen, der kon­trol­lier­te expe­ri­men­tel­le Kam­pa­gnen unter rea­lis­ti­schen metall­ur­gi­schen Bedin­gun­gen ermög­licht. Die Anla­ge wird genutzt, um Pro­zess­re­ak­tio­nen zu unter­su­chen, Pro­zess­mo­del­le zu vali­die­ren und inno­va­ti­ve Kon­zep­te wie alter­na­ti­ve Koh­len­stoff­trä­ger oder was­ser­stoff­kom­pa­ti­ble Bren­ner­sys­te­me zu testen.

Die Grup­pe arbei­tet eng mit Indus­trie­part­nern zusam­men, dar­un­ter Stahl­her­stel­ler und Anla­gen­bau­er. Die Zusam­men­ar­beit fin­det sowohl in öffent­lich geför­der­ten For­schungs­pro­jek­ten als auch im Rah­men direk­ter Auf­trags­for­schung und tech­ni­scher Dienst­leis­tun­gen statt. Durch die­se enge Ver­zah­nung mit der Indus­trie kön­nen For­schungs­er­geb­nis­se direkt in prak­ti­sche Pro­zess­ver­bes­se­run­gen über­führt werden.

Durch die Kom­bi­na­ti­on aus expe­ri­men­tel­ler For­schung, detail­lier­ter Pro­zess­mo­del­lie­rung, moder­ner Mess­tech­nik und zeit­ge­mä­ßen daten­ge­trie­be­nen Metho­den trägt die For­schungs­grup­pe zur Ent­wick­lung einer res­sour­cen­ef­fi­zi­en­te­ren, emis­si­ons­är­me­ren und kreis­lauf­ori­en­tier­ten Eisen- und Stahl­in­dus­trie bei.

Projekte

Laufende Projekte

Abgeschlossene Projekte

  • Deve­lo­ping and enab­ling H2 bur­ner uti­liza­ti­on to pro­du­ce liquid steel in EAF — DevH2forEAF (EU RFCS)
  • Wert­stoff­rück­ge­win­nung aus metall­hal­ti­gen, staub­för­mi­gen Pro­duk­ti­ons­rück­stän­den durch Faser­ab­fall basier­te Bri­ket­tie­rung – FaBrik (BMBF)
  • Redu­zie­rung von CO2 Emis­sio­nen durch den fle­xi­blen und effi­zi­en­ten Ein­satz ver­schie­de­ner Ener­gie­trä­ger am Licht­bo­gen­ofen – Flex­LBO (BMBF)
  • Retro­fit­ting equip­ment for effi­ci­ent use of varia­ble feedstock in metal making pro­ces­ses – REVaMP (Hori­zon 2020)
  • Stei­ge­rung der Res­sour­cen­ef­fi­zi­enz metall­ur­gi­scher Pro­zes­se durch Agglo­me­ra­ti­on von Schla­cken, Stäu­ben und Schläm­men mit­tels Stem­pel­pres­sen – ReMPA4S (AiF IGF)
  • Ent­wick­lung eines neu­ar­ti­gen, modu­la­ren Retro­fit-Pakets für Elek­tro­licht­bo­gen­öfen bis 20 t (AiF ZIM)
  • Cement-free brick pro­duc­tion tech­no­lo­gy for the use of pri­ma­ry and secon­da­ry raw mate­ri­al fines in EAF steel­ma­king – Fines2EAF (EU RFCS)
  • Ent­wick­lung eines Refe­renz­mo­dells für die Öko­bi­lan­zie­rung der Elek­tro­stahl­er­zeu­gung zur Pro­zess­op­ti­mie­rung und CO2-Ein­spa­rung – EcoS­teel (BMBF)
  • On-line slag com­po­si­ti­on ana­ly­sis for elec­tric arc fur­naces – OSCANEAF (EU RFCS)
  • Biochar for a sus­tainable EAF steel pro­duc­tion – GREENEAF2 (EU RFCS)
  • Valo­ri­sa­ti­on and dis­se­mi­na­ti­on of EAF tech­no­lo­gy – VALEAF (EU RFCS)
  • Ent­wick­lung eines Agglo­me­rat­steins aus Gieß­pfan­nen­schla­cke und Bio­koh­le zum Ein­satz im Elek­tro­licht­bo­gen­ofen bei der Stahl­her­stel­lung (AiF ZIM)
  • Mega­Car­bon – Res­sour­cen­ef­fi­zi­en­te und hoch­pro­duk­ti­ve Her­stel­lung von Car­bon­fa­sern für ein brei­tes Anwen­dungs­spek­trum (Ziel 2 NRW EFRE)
  • Ent­wick­lung einer modu­lar auf­ge­bau­ten nach­rüst­ba­ren und ener­gie­ef­fi­zi­en­ten Gefäß­tech­nik für Elek­tro­licht­bo­gen­öfen (AiF ZIM)
  • Sus­tainable EAF steel pro­duc­tion – Gree­nE­AF (EU RFCS)
  • Erhö­hung der Ener­gie- und Res­sour­cen­ef­fi­zi­enz bei der Elek­tro­stahl-Erzeu­gung durch ganz­heit­li­che, qua­li­täts­ge­führ­te Pro­duk­ti­ons­steue­rung – ENRECO2 (BMWi)
  • Con­trol of Nitro­gen Oxi­de Emis­si­on at the Elec­tric Arc Fur­nace – CONOX (EU RFCS)
  • Impro­ved EAF pro­cess Con­trol using On-line Off­gas Ana­ly­sis – OFFGAS (EU RFCS)
  • Grund­la­gen­un­ter­su­chun­gen zur Bil­dung von Stick­oxi­den im Licht­bo­gen­ofen (DFG)
  • Deve­lo­p­ment of ope­ra­ting con­di­ti­ons to impro­ve che­mi­cal ener­gy yield and per­for­mance of dedus­ting in air­tight EAF (EU ECSC)