Circular Steel: Wegbereiter einer zirkulären und klimaneutralen Stahlwirtschaft

Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft (DFG), 1. April 2026 — 31. März 2031

Projektbeschreibung

Das DFG-Gra­du­ier­ten­kol­leg Cir­cu­lar Steel ist ein struk­tu­rier­tes, von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft geför­der­tes Pro­mo­ti­ons­pro­gramm. Es führt Pro­mo­vie­ren­de und Betreu­en­de ver­schie­de­ner Fach­rich­tun­gen in einem koor­di­nier­ten For­schungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­pro­gramm zusam­men. Das Gra­du­ier­ten­kol­leg för­dert die inter­dis­zi­pli­nä­re Zusam­men­ar­beit, den Aus­tausch von Metho­den und Daten sowie die Ent­wick­lung inte­grier­ter Lösun­gen, die über ein­zel­ne For­schungs­pro­jek­te hinausgehen.

Im Rah­men die­ses Pro­gramms unter­sucht Cir­cu­lar Steel die wis­sen­schaft­li­chen und tech­no­lo­gi­schen Grund­la­gen, die für eine zir­ku­lä­re und kli­ma­neu­tra­le Stahl­in­dus­trie erfor­der­lich sind. Die For­schung umfasst die Pri­mär- und Sekun­där­stahl­er­zeu­gung, Pro­zess­tech­nik, Legie­rungs- und Werk­stoff­ent­wick­lung, Pro­duk­tei­gen­schaf­ten, Recy­cling, Stoff­strö­me und Nach­hal­tig­keits­be­wer­tung. Durch die Ver­knüp­fung die­ser Per­spek­ti­ven soll der gesam­te Stahl­kreis­lauf betrach­tet wer­den, anstatt iso­lier­te Her­aus­for­de­run­gen der Pro­duk­ti­on oder der Werk­stof­fe zu untersuchen.

Im Gesamt­pro­gramm kon­zen­triert sich Bereich I auf Pro­zess­tech­no­lo­gien für eine kli­ma­neu­tra­le Stahl­er­zeu­gung. The­ma I‑2 unter­sucht den inte­grier­ten Betrieb der was­ser­stoff­ba­sier­ten Direkt­re­duk­ti­on und der Stahl­er­zeu­gung im Elek­tro­licht­bo­gen­ofen. Berück­sich­tigt wer­den die Aus­wir­kun­gen der DRI-Eigen­schaf­ten und Char­gier­be­din­gun­gen sowie die Ein­bin­dung der Was­ser­stoff­er­zeu­gung und Abwärmerückgewinnung.

Gekop­pel­te Pro­zess­si­mu­la­ti­on der was­ser­stoff­ba­sier­ten DRI-EAF-Stahlerzeugung

Die was­ser­stoff­ba­sier­te Direkt­re­duk­ti­on mit anschlie­ßen­der Stahl­er­zeu­gung im Elek­tro­licht­bo­gen­ofen (EAF) ermög­licht den Ersatz der koks­ba­sier­ten Pri­mär­stahl­er­zeu­gung bei gleich­zei­ti­ger fle­xi­bler Nut­zung von Recy­cling­stahl­schrott. Ihre Leis­tungs­fä­hig­keit hängt von Schnitt­stel­len ab, die bei getrenn­ten Simu­la­tio­nen von Was­ser­stoff­er­zeu­gung, Direkt­re­duk­ti­on und EAF-Stahl­er­zeu­gung nicht erfasst werden.

Tem­pe­ra­tur, Metal­li­sie­rung, Rest­ge­hal­te an Sau­er­stoff und Koh­len­stoff, Gang­art­zu­sam­men­set­zung und Ver­un­rei­ni­gun­gen des DRI bestim­men EAF-Schmelz­ener­gie, Schla­cken­men­ge und ‑zusam­men­set­zung, den Bedarf an Schla­cken­bild­nern, die Bedin­gun­gen für das Schla­cken­schäu­men, Feu­er­fest­be­las­tung, Emis­sio­nen und Stahl­qua­li­tät. Auch die Char­gier­wei­se ist ent­schei­dend: Kon­ti­nu­ier­lich heiß char­gier­tes, was­ser­stoff­re­du­zier­tes DRI wird mit kal­tem oder vor­ge­wärm­tem HBI und ver­schie­de­nen Schrot­t/­DRI-Ver­hält­nis­sen verglichen.

Im The­ma I‑2 ent­steht ein gekop­pel­tes dyna­mi­sches Pro­zess­mo­dell aus Hoch­tem­pe­ra­tur-SOEC, was­ser­stoff­ba­sier­ter Direkt­re­duk­ti­on im Schacht­ofen, DRI/H­BI-Hand­ha­bung und EAF-Stahl­er­zeu­gung. Ein lite­ra­tur­ba­sier­tes DR-Modell über­gibt Mas­se, Zusam­men­set­zung und ther­mi­schen Pro­dukt­zu­stand an das erwei­ter­te dyna­mi­sche RWTH-EAF-Modell. Die­ses bil­det Schmel­zen, Wär­me­über­tra­gung und die Ver­tei­lung von C, O, P, S und N zwi­schen Stahl, Schla­cke und Gas ab. Abwär­me­rück­ge­win­nung sowie die Zwi­schen­spei­che­rung von Dampf, Was­ser­stoff und Sau­er­stoff ermög­li­chen die Bewer­tung der Ener­gie- und Res­sour­cen­ef­fi­zi­enz des Gesamtsystems.

Die Sze­na­ri­en ver­glei­chen Strom, Erd­gas, Was­ser­stoff, Sau­er­stoff sowie bio­ge­ne und ande­re alter­na­ti­ve Koh­len­stoff­trä­ger. Was­ser­stoff dient als Pro­zess­wär­me­quel­le; alter­na­ti­ve Koh­len­stoff­trä­ger wer­den für Auf­koh­lung und Schla­cken­schäu­men bewer­tet. Das Modell ermit­telt Betriebs­fens­ter mit gerin­ge­ren direk­ten fos­si­len CO2-Emis­sio­nen bei unver­än­der­ter Stahl‑, Schla­cken- und Prozessqualität.

Zen­tra­le For­schungs­fra­ge: Wie beein­flus­sen DRI-Eigen­schaf­ten, Schrott­an­teil und Char­gier­tem­pe­ra­tur den EAF-Ener­gie­be­darf, die Schla­cken­che­mie, Emis­sio­nen und Produktqualität?

Projektziele

  • Ein DR-Schacht­ofen­mo­dell ein­schließ­lich rele­van­ter Neben­pro­zes­se in Python imple­men­tie­ren; Grund­la­ge sind Mas­sen- und Ener­gie­bi­lan­zen, Reduk­ti­ons­ki­ne­tik und Wär­me­über­tra­gungs­be­zie­hun­gen aus der Literatur.
  • Das vor­han­de­ne dyna­mi­sche EAF-Pro­zess­mo­dell für was­ser­stoff­re­du­zier­tes DRI/HBI, fle­xi­ble Schrot­t/­DRI-Mischun­gen, kon­ti­nu­ier­li­che Heiß­char­gie­rung, kal­te oder vor­ge­wärm­te Char­gie­rung und was­ser­stoff­ba­sier­te Pro­zess­wär­me erweitern.
  • Stahl-Schla­cke-Gas-Reak­tio­nen und die Ver­tei­lung von C, O, P, S und N ein­schließ­lich Ent­schwe­fe­lung, Ent­phos­phor­ung sowie Stick­stoff­auf­nah­me oder ‑ent­fer­nung abbilden.
  • Schla­cken­men­ge und ‑zusam­men­set­zung, den Bedarf an Schla­cken­bild­nern, die MgO-Sät­ti­gung sowie die für Schla­cken­schäu­men und Feu­er­fest­schutz rele­van­ten Bedin­gun­gen prognostizieren.
  • Die EAF-Abwär­me­rück­ge­win­nung mit der Hoch­tem­pe­ra­tur-SOEC-Elek­tro­ly­se und Puf­fer­spei­chern kop­peln und mit­hil­fe von Sze­na­rio- und Sen­si­ti­vi­täts­ana­ly­sen Ener­gie­ein­satz, direk­te fos­si­le CO2-Emis­sio­nen und Mate­ri­al­ver­lus­te mini­mie­ren, wobei die Anfor­de­run­gen an die Pro­dukt­qua­li­tät ein­ge­hal­ten werden

 

Bewertungskriterien

Ener­gie und Inte­gra­ti­on

Strom- und che­mi­scher Ener­gie­be­darf, Was­ser­stoff- und Sau­er­stoff­be­darf; nutz­ba­re Abwär­me; Speicherbedarf.

Metall­ur­gie und Qualität


Metall­tem­pe­ra­tur und ‑zusam­men­set­zung; Ver­tei­lung von P, S, N, O und C; Stahl­aus­brin­gen und Kon­trol­le von Verunreinigungen.

Schla­cke und Feuerfestmaterialien


Schla­cken­men­ge und ‑zusam­men­set­zung; Bedarf an Schla­cken­bild­nern; MgO-Sät­ti­gung; rele­van­te Bedin­gun­gen für Schla­cken­schäu­men und Feuerfestschutz.

Kli­ma und Ressourcen

Direk­te fos­si­le CO2-Emis­sio­nen, Ein­satz alter­na­ti­ver Koh­len­stoff­trä­ger, Neben­pro­dukt­qua­li­tät, Mate­ri­al­ver­lus­te und gesam­te Ressourceneffizienz.

Kontakt

Mohamed Abouayana, M.Sc.

 

+49 241 80–28926

Dr.-Ing. Thomas Echterhof

 

 +49 241 80–25958

echterhof@iob.rwth-aachen.de 

 

Förderung

Geför­dert von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) im Rah­men des Gra­du­ier­ten­kol­legs GRK 3139 „Cir­cu­lar Steel — Weg­be­rei­ter einer zir­ku­lä­ren und kli­ma­neu­tra­len Stahl­wirt­schaft“, Pro­jekt­num­mer 546471228.