TuPraS: Entwicklung einer Simulationsmethode zur Turbulenzmodellierung von Prallströmungen
BMWE-Förderung im Rahmen des Förderprogramms „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand“ (ZIM) — 1. Januar 2025 bis 31. Dezember 2027
Projektbeschreibung
In kontinuierlichen Bandanlagen zur Wärmebehandlung von Stahl‑, Aluminium- und Kupferband werden Prallstrahldüsensysteme zur Aufheizung und Kühlung eingesetzt. Des Weiteren werden Prallstrahldüsensysteme ebenfalls in Durchlauföfen für Flachglas sowie in Trocknungsanlagen für Papier und Textilien eingesetzt. Die Düsensysteme aus Rund- oder Schlitzdüsen sind gezielt auf das Band bzw. das Gut gerichtet und erzeugen eine Prallströmung, die einen hohen und möglichst homogenen Wärmeübergang gewährleistet.
Beim Auftreffen des Strahls auf die Bandoberfläche entsteht eine komplexe Strömungsstruktur, die sich in Freistrahl, Stagnationsbereich und Wandstrahl unterteilt. Diese stark variierenden Strömungszustände führen zu lokal sehr unterschiedlichen Wärmeübergängen. Die numerische Modellierung solcher Prallströmungen stellt eine große Herausforderung dar, da bestehende Turbulenzmodelle jeweils nur Teilbereiche der Strömung zuverlässig abbilden. Eine durchgängige, präzise Simulation aller relevanten Strömungs- und Wärmeübertragungsphänomene mittels stationärer RANS-Simulationen ist bislang nicht möglich.
Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer robusten und praxisnahen Simulationsmethode und damit verbundenen Weiterentwicklungen von konventionellen Turbulenzmodellen zur Erhöhung der numerischen Genauigkeit und Vorhersagefähigkeit stationärer RANS-Simulationen für Prallstahlströmungen. Durch die vermehrte Verwendung von präzisen numerischen Simulationen sollen zukünftig Düsengeometrien und Betriebsparameter gezielt optimiert werden, um einen höheren und gleichmäßigeren Wärmeübergang bei gleichzeitig geringerem Energiebedarf zu erreichen.
Effizientere Düsensysteme ermöglichen eine höhere Prozessstabilität, reduzieren Betriebskosten und erweitern den Einsatzbereich der Gaskühlung in Thermoprozessanlagen. In vielen Anwendungen kann dadurch auf aufwendigere Kühlverfahren wie Wasser- oder Nebelkühlung verzichtet werden. Dies ist insbesondere für die Herstellung moderner, hochfester Stahl- und Aluminiumprodukte von Bedeutung. Da Prallstrahlen neben den metallurgischen Prozessen auch in der Glasindustrie, Papier- und Textilverarbeitung eingesetzt werden, bieten optimierte, numerisch fundierte Auslegungsmethoden branchenübergreifend ein großes Potenzial für Energieeinsparungen, nachhaltige Produktion und eine langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.
Die entsprechenden Anpassungen der Turbulenzmodelle werden in Zusammenarbeit mit Merkle CAE Solutions entwickelt. Am Institut für Industrieofenbau und Wärmetechnik (IOB) werden Validierungsmessungen mit ausgewählten industrienahen Düsensystemen durchgeführt, anhand deren die angepassten Turbulenzmodelle für die industrielle Anwendung verifiziert werden.
Projektziele
Das übergeordnete Ziel von TuPraS ist die Entwicklung einer effizienten und validierten numerischen Simulationsmethode zur präzisen Turbulenzmodellierung von Prallstrahlströmungen für industrielle Anwendungen. Dafür werden folgende Teilziele verfolgt:
- Entwicklung einer stationären RANS-basierten Simulationsmethode mit vergleichbarer Vorhersagegenauigkeit zu LES bei einer Reduktion der Simulationszeit um bis zu 95 %
- Verbesserte Abbildung des Wärmeübergangs durch die Identifikation und gezielte Modellanpassung strömungsrelevanter Modellierungsdefizite in Freistrahl‑, Stagnations- und Wandstrahlbereichen
- Verifizierung der Simulationsmethode durch systematische Vergleiche mit experimentellen Messungen des Wärmeübergangs
- Beschleunigte und präzisere Auslegung von Prallstrahldüsensystemen durch den Einsatz des angepassten Turbulenzmodells
- Reduktion von Entwicklungs‑, Prüf- und Betriebskosten durch den Ersatz experimenteller Tests durch numerische Validierung
Projektpartner
Kontakt

Jan-Henrik Rieger, M.Sc.
+49 241 80-26079

Dr.-Ing. Eileen Trampe
+49 241 80–26051
Förderung
Dieses Projekt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) unter dem Förderkennzeichen KK5123806AB4 finanziert.
Die Förderung erfolgt im Rahmen des Förderprogramms „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand“ (ZIM).