GreenFlame: Schadstoffemissionen und Verbrennungsverhalten CO2-armer Brennstoffgemische aus Ammoniak, Wasserstoff und Erdgas
Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF), 1. Dezember 2024 bis 31. Mai 2027
Projektbeschreibung
Die Dekarbonisierung der Industrie erfordert die perspektivische Abkehr von fossilem Erdgas als Energieträger. Jedoch ist dabei eine flächendeckende Elektrifizierung der Prozesse in der Thermoprozesstechnik, Metallurgie und Grundstoffindustrie nur eingeschränkt möglich.
Vor diesem Hintergrund werden u. a. Wasserstoff, synthetisches Erdgas und Ammoniak als mögliche Ersatzbrennstoffe diskutiert. Aufgrund der schwankenden Verfügbarkeit nachhaltiger Energieträger, wird es jedoch während der Transformationsphase bis 2050 voraussichtlich nicht zu vermeiden sein, Brennstoffgemische zu nutzen, die weiterhin auch Anteile fossilen Erdgases enthalten.
Die Verbrennung solcher Gasgemische ist wissenschaftlich wenig untersucht. Vereinzelte Studien an technischen Flammen im Technikumsmaßstab sind meist nicht vergleichbar. Gleichzeitig ist eine adäquate Untersuchung und Modellierung jedoch unerlässlich, um nachhaltige Thermoprozesse im Hinblick auf Wärmefreisetzung, Flammenstabilität und Schadstoffemissionen (NOx) zu beschreiben.
Aufgaben des IOB
Dem Institut für Industrieofenbau der RWTH (IOB) kommen im Rahmen dieses Projektes mehrere essentielle Aufgaben zu: Zunächst wird in einer ersten Phase ein bestehender Prüfstand auf den Betrieb mit Ammoniak umgerüstet. Dazu wird neben der Ausarbeitung eines neuen Sicherheitskonzepts u. a. die Gasversorgung um eine Gaseingangsstrecke für Ammoniak, eine Nachverbrennungskammer mit Eindüsung von Luft oder Ammoniak sowie eine technische Nachverbrennung als Sicherheitsmaßnahme gegen Ammoniakschlupf ergänzt.
Parallel dazu wird ein numerisches Modell basierend auf einer CAD-Konstruktion des Versuchsstands aufgebaut und optimiert um verschiedene Ansätze einer Verbrennungsmodellierung zu untersuchen und ein benutzerdefiniertes Strahlungsmodell für hohe H2O‑Abgaskonzentrationen zu implementieren.
Im Zuge der experimentellen Untersuchungen wird dann an einem vorwettbewerblichen Brenner das Zündverhalten der verschiedenen Brennstoffzusammensetzungen durch Kaltstarttests untersucht sowie eine Parameterstudie zur Bewertung verschiedener Maßnahmen zur Stickoxidminderung durchgeführt.
Schließlich werden die Ergebnisse im Rahmen einer numerischen Simulation zusammengeführt und ausgewertet indem anhand von verschiedenen Brennstoffzusammensetzungen die Strömungsgeschwindigkeiten, Temperaturen und Schadstoffkonzentrationen modelliert und so die Reaktionsmechanismen optimiert werden.
Projektziele
- Ermittlung der Grundlagenparameter für binäre und ternäre Brennstoffgemische
- Auslegung und Konstruktion neuer emissionsarmer Brennersysteme für diese Gemische
- Entwicklung detaillierter und reduzierter Reaktionsmechanismen
- Untersuchung der Prozessgrenzen und ‑stabilität von Brennersystemen
- Ermittlung optimierter Parameter für Primärmaßnahmen zur Verringerung der NOx-Emissionen verschiedener Brennersysteme
- Identifizierung neuer Optimierungspotenziale und Emissionsminderungsmaßnahmen für Brennersysteme der Thermoprozesstechnik
Kontakt

Moritz Diewald, M.Sc.

Nicolas Dinsing, M.Sc.
Förderung
Das Projekt “GreenFlame” wird im Rahmen des Programms „Industrielle Gemeinschaftsforschung“ durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Dieses IGF-Vorhaben 01IF23455N der Forschungsvereinigung Stahlanwendung e.V., Düsseldorf, wird am Institut für Industrieofenbau und Wärmetechnik durchgeführt.