SUPERHEAT: Verbesserung der Energieeffizienz und Flexibilität bei der Stahlnacherwärmung durch Teilelektrifizierung
Research Fund for Coal and Steel (RFCS), 01. März 2026 — 31. August 2030
Projektbeschreibung
Das Projekt SUPERHEAT wird vom Institut für Industrieofenbau und Wärmetechnik (IOB) der RWTH Aachen in enger Zusammenarbeit mit Outokumpu OYJ, Tenova SPA, SIN A/S, der European Steel Technology Platform ESTEP sowie GSW (Global Steel Wire SA) mit seinen Partnern CELSA OPCO und SNAM S.p.A. (Abb. 1) koordiniert. Das Konsortium untersucht die flexible, partielle Elektrifizierung von Wiedererwärmungsöfen sowie den Einsatz von Wasserstoff oder Wasserstoff-Erdgas-Gemischen als nachhaltige Brennstoffquelle. Ziel ist es, den Energieverbrauch zu senken, CO2-Emissionen zu reduzieren (um bis zu 100% für den Fall, dass grüner Wasserstoff genutzt wird) und gleichzeitig die Produktqualität in den bestehenden Warmwalzstraßen zu erhalten.
Abbildung 1: Karte der Projektpartner
Der Hintergrund des Projekts steht in direktem Zusammenhang mit der Klimapolitik der EU. Gemäß dem Green Deal muss die Stahlbranche bis 2030 zu einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 55 % und bis 2050 zur Erreichung der Netto-Null-Emissionen beitragen. Wiedererwärmungsöfen für das Warmwalzen werden derzeit mit Brennern betrieben, die mit fossilen Brennstoffen befeuert werden und einen signifikanten Anteil am CO₂-Fußabdruck der Stahlindustrie ausmachen. Daher ist eine Dekarbonisierung der Prozesswärme beim Warmwalzen durch Elektrifizierung, den Einsatz von Wasserstoff oder anderen kohlenstoffarmen Brennstoffen sowie mit einer verbesserten Kreislaufwirtschaft und Materialeffizienz erforderlich.
Das Warmwalzen ist ein wesentlicher Prozess der Stahlproduktion bei dem Brammen, Blöcke oder Knüppel auf über 1000 °C aufgeheizt und zu Bändern, Blechen und Stäben für eine Vielzahl von Anwendungen gewalzt werden. Moderne Warmwalzwerke vereinen hocheffiziente Hubbalkenöfen, fortschrittliche Prozesssteuerungs- und Sensorsysteme sowie optimierte Kühlstrategien, um gewählte Maßtoleranzen und Mikrostrukturen zu erzielen und gleichzeitig den Energie- und Brennstoffverbrauch zu senken. Wiedererwärmungsöfen und die nachgeschaltete Walzstraße machen einen erheblichen Anteil des Energiebedarfs eines integrierten Stahlwerks aus, weshalb die Wahl des Brennstoffs, die Ofeneffizienz, die Abwärmerückgewinnung und die digitale Optimierung für die Reduzierung der Emissionen von entscheidender Bedeutung sind.
SUPERHEAT schlägt ein Konzept zur partiellen Elektrifizierung vor. Dabei soll ein elektrischer Heißgaserzeuger mit einer hohen Leistungsdichte (Abb. 2) mit einem eBurner-System mit niedrigem NOx-Emissionen kombiniert werden. Durch die Aufwärmung der Verbrennungsluft (und optional des Brennstoffs) auf bis zu 1000 °C kann diese Technologie elektrische Energie in den Wiedererwärmungsprozess einbringen, den spezifischen Energieverbrauch um ≈ 6 % senken und bei Betrieb mit grünem Wasserstoff eine CO₂-Reduzierung von bis zu 100 % erreichen, während die Erwärmungskurve, die Temperaturhomogenität und die Oberflächenqualität des Stahls erhalten bleiben.
Abbildung 2: Sintex HoneyComb [1]
Als Demonstrator für das Lösungskonzept dient ein Hubbalkenofen des Stahlwerks von Outokumpu in Tornio, Finnland. Eine Ofenzone wird mit eBurner-Modulen einschließlich der entwickelten Heißgaserzeuger ausgestattet. Im Rahmen des Projekts wird zudem ein virtueller Retrofit dieses Ofens sowie eines zweiten Ofens bei GSW (Santander, Spanien) durchgeführt, das Konzept auf einen 100 %-H₂-Betrieb ausgeweitet und ein umfassendes Portfolio an technisch-wirtschaftlichen Lebenszyklus- und Geschäftsanalysen für die industrielle Einführung erstellt.
Abbildung 3: Kick-Off Meeting März 2026
[1] Sintex: Metal Powder Extrusion, URL: https://sintex.com/sintered-components-in-stainless-steel/powder-extrusion/ (23.07.2026)
Projektziele
- Entwicklung von Heißgaserzeugern, welche Luft (oder Brenngase) elektrisch und mit einer hohen Leistungsdichte auf ≈ 1000 °C vorheizen.
- Entwicklung, Prototypenbau und Validierung des flammlosen eBurners mit niedrigen NOx-Emissionen.
- Integration des eBurners in einen industriellen Wiedererwärmungsofen und Demonstration der Teilelektrifizierung auf TRL 8.
- Durchführung einer numerischen, dreidimensionalen Simulation des gesamten Ofens, um
- Den aktuellen Stand des Ofens grundlegend zu bewerten.
- Den umgerüsteten Demonstrator zu bewerten.
- Die Öfen von Outokumpu und GSW virtuell umzurüsten (inklusive H2-Betrieb).
- Das IOB führt eine umfassende Lebenszyklusanalyse (LCA) nach den Prinzipien „Cradle-to-Gate“ und „Cradle-to-Grave“ sowie eine technisch-wirtschaftliche Analyse nach den Standards ISO 14040/14044 durch, um die Umweltauswirkungen und die Wirtschaftlichkeit aller Betriebsszenarien zu bewerten.
Projektpartner
- RWTH Aachen University – Department of Industrial Furnaces and Heat Engineering (IOB)
- Outokumpu O.Y. (OUTO) | Finland
- Tenova SPA (TEN) | Italy
- SIN A/S (SIN) | Denmark
- ESTEP (ESTEP PLATEFORME TECHNOLOGIQUE EUROPEENNE DE L’ACIER) | Belgium
- Global Steel Wire SA (GSW) & CELSA OPCO, SA| Spain
- SNAM S.p.A. (SNAM) | Italy
Kontakt

Manuel Sanders, M.Sc.
+49 241 80–26066

Dr.-Ing. Nico Schmitz

Nada Mohamed, M.Sc.

Tom Jose, M.Sc.
Förderung
Dieses Projekt wird durch das Förderprogramm Research Fund for Coal and Steel der Europäischen Union unter der Förder-ID 101254442 finanziert. Die Förderung erfolgt im Tahmen des Calls “RFCS‑2025‑CSP – Big Tickets for Steel”.


