AI4EAFRoute: Unterstützung innovativer Verfahren der EAF-Route durch künstliche Intelligenz zur Optimierung der Prozess- und Anlagenführung sowie zur Steigerung von Leistung und Komponenteneffizienz
Forschungsfonds für Kohle und Stahl, 1. Juli 2026 — 30. Juni 2030
Projektbeschreibung
Dieses Projekt zielt darauf ab, die Leistung, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit der Elektrolichtbogenofen-Route (EAF) durch die Integration fortschrittlicher Überwachungstechnologien und Werkzeuge der künstlichen Intelligenz (KI) zu steigern. Anhand von vier gezielten Anwendungsfällen werden zentrale prozesstechnische Herausforderungen angegangen, darunter das Management des Schrottschmelzens, die Optimierung elektrischer Parameter, der Verschleiß der feuerfesten Ausmauerung, Wasserlecks in den Ofenpaneelen, die Erkennung und Vorhersage von Ereignissen sowie das allgemeine Leistungsmanagement. Für jeden Anwendungsfall werden spezifische KI-Modelle entwickelt, die auf realen Industriedaten basieren und multimodale Eingangsgrößen – wie akustische, volumetrische, visuelle und thermische Signale – nutzen. Der gewählte Ansatz umfasst sowohl die Überwachung und Datenanalyse des Anlagenzustands als auch die herkömmliche Prozessüberwachung und ‑steuerung; Ziel ist es, den Einfluss der Betriebspraktiken auf den Zustand und die Lebensdauer der Anlage zu untersuchen sowie die Auswirkungen von Komponentenineffizienzen auf die Prozessleistung zu bewerten. Die Ergebnisse beider Analysen werden in vereinfachte Vorhersageregeln überführt, die als Grundlage für die Richtlinien eines Entscheidungsunterstützungssystems dienen. Diese Modelle werden in ein fortschrittliches, KI-basiertes Entscheidungsunterstützungssystem (DSS) integriert, das den Ofenbedienern Empfehlungen in Echtzeit liefert. Dies ermöglicht eine präzisere Prozesssteuerung, reduziert ungeplante Wartungsarbeiten, verlängert die Lebensdauer der Anlagen und führt zu erheblichen Kosten- und Energieeinsparungen. Das Projekt treibt den Stand der Technik an mehreren Fronten voran: Im Bereich der Computer Vision werden neuartige Verfahren zur robusten Bildanalyse unter den rauen Bedingungen einer EAF-Umgebung eingeführt. Bei der Zeitreihenanalyse kommen fortschrittliche KI-Methoden zur Auswertung akustischer Signalmuster zum Einsatz, was eine frühzeitige Erkennung von Ineffizienzen und Störungen ermöglicht. Durch die Kombination dieser Innovationen schafft das Projekt einen ganzheitlichen, prädiktiven Ansatz für das EAF-Management, der so bisher nicht am Markt verfügbar ist. Letztlich stärkt das Projekt durch die Optimierung der EAF-Prozesse und des Anlagenmanagements sowohl die Dekarbonisierung als auch die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlindustrie. Damit unterstützt es direkt die Ziele des RFCS-Programms und des „European Green Deal“, indem es die Ressourceneffizienz steigert, die Metallausbeute erhöht und die CO₂-Emissionen senkt.
Projektziele
Das Konsortium hat vier zentrale Anwendungsfälle identifiziert, die untersucht werden sollen und jeweils zum übergeordneten Ziel der Optimierung des Schmelzprozesses im Elektrolichtbogenofen (EAF) beitragen. Für jeden Anwendungsfall wird ein spezifisches Modell der künstlichen Intelligenz (KI) entwickelt, um gezielt auf prozesstechnische Herausforderungen einzugehen und eine effektivere Entscheidungsfindung zu ermöglichen:
- Management des Schrottschmelzprozesses im EAF: Dieser Anwendungsfall konzentriert sich auf die Ermittlung von Zusammenhängen zwischen der Schrottart und der Schmelzleistung. Dabei kommen volumetrische Datenanalysen der Schrottkörbe (mittels Radarmessung oder 3D-Laserscanner) sowie akustische Sensoren zur Überwachung des Schmelzprozesses zum Einsatz.
- Elektrisches Management des EAF: Ziel dieses Anwendungsfalls ist die Entwicklung eines KI-basierten Modells, das den neuartigen „Arc Quality Index“ (AQI) zur Optimierung des Ofenbetriebs nutzt. Durch die Kombination von Hochgeschwindigkeitsmessungen elektrischer Größen, physikalisch basierter Soft-Sensorik und auf Expertenwissen trainierten KI-Modellen schätzt das System die Lichtbogenstabilität sowie deren Abdeckung durch Schlacke ab. Zudem empfiehlt es optimale Einstellungen für die Transformatorstufen, die Elektrodenposition sowie die Kohlenstoff- und Sauerstoffzufuhr in den verschiedenen Phasen des Schmelzprozesses.
- Management von EAF-Komponenten und ‑Ereignissen: Dieser Bereich umfasst im Wesentlichen drei Hauptziele: das Management einzelner Ofenpaneele, die Ereigniserkennung für das Alarmmanagement sowie die Überwachung von Ausmauerung und Elektroden.
- Globale Leistungsanalyse des EAF: Dieser Anwendungsfall soll aufzeigen, wie Prozessdaten (Stromverbrauch, Metallausbeute, Schmelzdauer, Stahl- und Schlackenzusammensetzung sowie Temperaturen) in Verbindung mit der Digitalisierung von Anlagenzuständen, Schäden und Wartungsmaßnahmen genutzt werden können, um KI-Algorithmen für die Produktionsoptimierung zu trainieren.
Die Ergebnisse dieser vier KI-gestützten Anwendungsfälle werden zusammengeführt und von einem übergeordneten KI-Modell weiter analysiert. Dieses abschließende Modell bildet die Grundlage für ein Entscheidungsunterstützungssystem (Decision Support System, DSS), das das Ofenpersonal in Echtzeit unterstützt und so Prozessführung, Effizienz und Lebensdauer der Anlage verbessert.
Projektpartner
- RINA Consulting- Centro Sviluppo Materiali SPA
- VDEH-BETRIEBSFORSCHUNGSINSTITUT GMBH
- Institut für Industrieofenbau- und Wärmetechnik, RWTH Aachen University
- FERALPI SIDERURGICA SPA
- SIDENOR INVESTIGACION Y DESARROLLOSA
- UNIVERZA V LJUBLJANI
- ACRONI PODJETJE ZA PROIZVODNJO JEKLA IN JEKLENIH IZDELKOV DOO
Kontakt

Amit Sharma, M.Sc.
+49 241 80–26071

Dr.-Ing. Thomas Echterhof
+49 241 80–25958
Förderung
Finanziert von der Europäischen Union. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die des Autors bzw. der Autoren und spiegeln nicht unbedingt die der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für die Forschung wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können dafür verantwortlich gemacht werden.
