EmiH2: Messung und Bewertung der Abgase von Glasschmelzanlagen beim Einsatz von Wasserstoff als Brennstoff

Indus­tri­el­le Gemein­schafts­for­schung (IGF), 1. Mai 2025 — 31. Okto­ber 2027

Projektbeschreibung

Der Ein­satz von Was­ser­stoff als alter­na­ti­ver Ener­gie­trä­ger wur­de in den letz­ten Jah­ren zuneh­mend dis­ku­tiert, erforscht und zum Teil bereits erprobt. Die Nut­zung von Was­ser­stoff ist aller­dings mit eini­gen Her­aus­for­de­run­gen ver­bun­den. Die Bereit­stel­lung von Was­ser­stoff in den nöti­gen Men­gen und Qua­li­tät, sowie eine weit­rei­chen­de Ver­sor­gungs­in­fra­struk­tur sind offe­ne Fra­ge­stel­lun­gen, die neben der tech­ni­schen Umsetz­bar­keit und Anpas­sung der Pro­zess­ket­ten noch zu klä­ren sind. Bei der Glas­her­stel­lung wird der Ein­satz von Was­ser­stoff in einer Viel­zahl an For­schungs- und Pilot­pro­jek­ten bereits unter­sucht. Viel­ver­spre­chen­de Ansät­ze sind dort zu beob­ach­ten. Die ange­spro­che­nen Pro­ble­ma­ti­ken müs­sen auch dort the­ma­ti­siert wer­den. Ein nicht zu ver­nach­läs­si­gen­der Punkt ist die Emis­si­ons­mes­sung an der Glas­schmel­z­wan­ne. Fol­ge­rich­tig kön­nen die direk­ten feue­rungs­be­ding­ten CO2-Emis­sio­nen mit dem Umstieg auf Was­ser­stoff redu­ziert wer­den. Berück­sich­tigt wer­den müs­sen jedoch auch Emis­sio­nen die aus den ein­ge­setz­ten Roh­stof­fen, dem ver­wen­de­ten Recy­cling­glas und aus der Ver­bren­nungs­re­ak­ti­on des Was­ser­stof­fes (ins­be­son­de­re Stick­oxi­de NOx) stam­men kön­nen. Die­se Emis­sio­nen müs­sen in der Glas­in­dus­trie den regu­la­to­ri­schen Anfor­de­run­gen der Tech­ni­schen Anlei­tung zur Rein­hal­tung der Luft (TA Luft) genü­gen, ggf. ange­passt und sicher über­wacht wer­den. Die ein­zu­hal­ten­den Emis­si­ons-Grenz­wer­te bezie­hen sich auf eine Mes­sung des tro­cke­nen Abga­ses. Dafür wird der Was­ser­dampf vor Ein­tritt in die Ana­ly­se­ein­heit aus­kon­den­siert. Der Anteil an Was­ser­dampf im Abgas nimmt bei der Ver­bren­nung von Was­ser­stoff erheb­lich zu. Wird der Was­ser­stoff mit rei­nem Sau­er­stoff als Oxi­da­tor ver­brannt, dem soge­nann­ten Oxy­fuel-Ver­fah­ren, besteht das Abgas nahe­zu voll­stän­dig aus Was­ser­dampf. Kon­ven­tio­nel­le Mess­ver­fah­ren stellt dies vor gro­ße tech­ni­sche Her­aus­for­de­run­gen und die Ver­gleich­bar­keit der Mess­wer­te hin­sicht­lich der gesetz­li­chen Grenz­wer­te muss hin­ter­fragt werden.

Das För­der­pro­jekt EmiH2 befasst sich ein­ge­hend mit der Emis­si­ons­mes­sung und der Emis­si­ons­mess­tech­nik bei Ein­satz von Was­ser­stoff als Brenn­stoff an dem Bei­spiel der Glas­schmel­z­wan­ne. Im Zuge des Pro­jekts wer­den umfas­sen­de Refe­renz­mes­sun­gen an einer Ver­suchs-Glas­schmel­z­wan­ne durch­ge­führt. Dort kön­nen ver­schie­de­ne Betriebs­punk­te hin­sicht­lich des ver­wen­de­ten Brenn­stoffs (Erdgas/Wasserstoff) und des ein­ge­setz­ten Gemen­ges (karbonatbeladen/karbonatfrei) auf­ge­nom­men wer­den. Gleich­zei­tig wer­den an einer Ver­suchs­brenn­kam­mer unter­schied­li­che Emis­si­ons­mess­ge­rä­te getes­tet und mit der Stan­dard Refe­renz Metho­de (SRM) ver­gli­chen. Die Brenn­kam­mer kann mit den bei­den Brenn­ga­sen Erd­gas und Was­ser­stoff betrie­ben wer­den. Zusätz­lich kann zwi­schen dem Oxi­da­tor Luft oder rei­nem Sau­er­stoff gewählt wer­den. Par­al­lel wird bei den tro­cke­nen Emis­si­ons­mess­ver­fah­ren geprüft, ob und in wel­chem Maße was­ser­lös­li­che Spe­zi­es des Abga­ses, wie bei­spiels­wei­se SO2 oder NO2 im Küh­ler­kon­den­sat aus­ge­wa­schen wer­den. Dafür wer­den die bei­den genann­ten Spe­zi­es gezielt in die Brenn­kam­mer ein­ge­düst und das Kon­den­sat im Labor unter­sucht. Beson­de­rer Fokus in dem Pro­jekt liegt auf der Kon­zep­tio­nie­rung und Erpro­bung einer geeig­ne­ten Pro­ben­nah­me­ein­rich­tung für den mobi­len Feld­ein­satz zur Ver­wen­dung von SRM in Abga­sen der Was­ser­stoff-Oxy­fuel Ver­bren­nung. Auf­grund des hohen Was­ser­dampf­an­teils besteht das tro­cke­ne Abgas ledig­lich aus gerin­gen Men­gen Sau­er­stoff und Emis­sio­nen aus der Schmel­ze und aus der Ver­bren­nung. Zum einen ist es tech­nisch schwie­rig für die­sen Fall einen hin­rei­chen­den Volu­men­strom für die Gas­ana­ly­sa­to­ren zu erzeu­gen und zum ande­ren kön­nen bei einer pro­zen­tua­len Betrach­tung der Gas­spe­zi­es die gesetz­li­chen Grenz­wer­te nicht mehr ein­ge­hal­ten wer­den. Die neu­ar­ti­ge Mess­son­de soll die geziel­te Ver­dün­nung des Abga­ses mit einem Inert­gas (N2, CO2, Ar, etc.) und somit die wei­te­re Nut­zung von SRM Gerä­ten ermög­li­chen. Das Mess­prin­zip wird zunächst an einer Ver­suchs­brenn­kam­mer getes­tet und bei erfolg­rei­cher Umset­zung für den mobi­len Ein­satz umgerüstet.

Mit Abschluss des Pro­jekts sol­len neben einem erprob­ten Pro­to­typ der mobi­len Pro­ben­nah­me­ein­rich­tung umfang­rei­che Hand­lungs­emp­feh­lun­gen aus­ge­spro­chen wer­den für die wei­te­re Ent­wick­lung der Mess­tech­nik als auch für die Ein­glie­de­rung des Mess­ver­fah­rens in die gel­ten­den Nor­men und eine mög­li­che Zer­ti­fi­zie­rung dessen.

Projektziele

Ziel des Vor­ha­bens ist die Ent­wick­lung und Vali­die­rung geeig­ne­ter Mess­tech­ni­ken und ‑sys­te­me zur ver­läss­li­chen Emis­si­ons- und Pro­zess­über­wa­chung von Abga­sen mit hohen Was­ser­dampf­kon­zen­tra­tio­nen. Im Rah­men der Ener­gie­wen­de, die durch inter­na­tio­na­le und natio­na­le Richt­li­ni­en und Geset­ze gere­gelt ist, wird in Deutsch­land ange­strebt, fos­si­le Ener­gie­trä­ger mit CO2-neu­tra­len Alter­na­ti­ven zu erset­zen. Eine mög­li­che Alter­na­ti­ve ist die Nut­zung von rege­ne­ra­tiv erzeug­tem Was­ser­stoff in Ther­mo­pro­zess­an­la­gen. Die Emis­si­ons­über­wa­chung, bei­spiels­wei­se nach den Anfor­de­run­gen der TA Luft, erfolgt durch auf tro­cke­nem Abgas im Norm­zu­stand basie­ren­den Stan­dard­re­fe­renz­mess­ver­fah­ren. Mit der Sub­sti­tu­ti­on von Erd­gas durch Was­ser­stoff steigt der Was­ser­dampf­an­teil im Abgas deut­lich an und wird bei stö­chio­me­tri­scher Was­ser­stoff-Sau­er­stoff­feue­rung aus nahe­zu 100 Vol.-% Was­ser­dampf bestehen. Damit müs­sen neue Tech­no­lo­gien zur repro­du­zier­ba­ren Pro­be­nah­me und Ana­ly­se der ein­zel­nen Emis­si­ons­kom­po­nen­ten ent­wi­ckelt und veri­fi­ziert wer­den und all­ge­mein­gül­ti­ge Nor­men und Stan­dards zur Ein­hal­tung gesetz­li­cher Auf­la­gen erar­bei­tet bzw. ange­passt wer­den. Aus den For­schungs­ar­bei­ten wer­den Hand­lungs­emp­feh­lun­gen abge­lei­tet, die den zustän­di­gen Behör­den und Gre­mi­en zur Ver­fü­gung gestellt werden.

Kontakt

Franziska Ott, M.Sc.

 

+49 241 80–26073

Förderung

Das Pro­jekt EmiH2 wird über den Pro­jekt­trä­ger Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt e. V. (DLR) im Rah­men des Pro­gramms zur För­de­rung der Indus­tri­el­len Gemein­schafts­for­schung und ‑ent­wick­lung (IGF) durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie (BMWE) auf­grund eines Beschlus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges finan­zi­ell gefördert.